garaNto - eine Erfolgsgeschichte

22.05.2008
Interview mit dem ersten Zentralsekretär von garaNto

 

 

Am 21. Februar 2008 hat garaNto Giordano Schera in Bern offiziell verabschiedet. Seit 1. Mai 2008, dem Tag der Arbeit, ist der erste Zentralsekretär von garaNto nun offiziell pensioniert - rund ein Jahr vorzeitig, nicht zuletzt wegen des Primatwechsels der Pensionskasse Publica. Wie angekündigt, kommt Giordano Schera nun in einem Interview zu Wort.

 

Interview: Oscar Zbinden

 

Red.: Was waren die Höhepunkte deines Schaffens bei und für garaNto?

Ich denke gerne an drei Projekte zurück, die ich innerhalb verschiedener gewerkschaftlicher Restrukturierungsprozesse bis zum guten Ende bringen durfte: Beitritt des VSZP1 zur Union des Finanzpersonals in Europa (UFE) 1993, den Beitritt des VSZB2 zum SGB 1999 und die Vereinigung dieser beiden rund 100-jährigen Berufsverbände mit der Gründung der neuen Gewerkschaft garaNto am 6. Dezember 2001. Dieses Datum bleibt mir auf ewig im Gedächtnis haften.

 

Ein weiterer Höhepunkt meiner 16 Jahren professioneller Gewerkschaftsarbeit war das, was wir 2001 in den Verhandlungen mit dem EFD über die Verordnungen zum damals neuen Bundespersonalgesetz (BPG) erreicht haben. Als Präsident des damaligen Föderativverbandes (FöV)3 war ich dabei an vorderster Front, und das BPG ist mir lieb und teuer geblieben. Wenn du es erlaubst, richte ich an dieser Stelle folgende Ermahnung an den Chef des EFD: „Hände weg vom BPG!"

 

Welches waren die grössten Erfolge von garaNto?

Nebst den obgenannten gewiss die Verhinderung der linearen Lohnkürzung 1998 - und die Erkämpfung jetzt, zehn Jahre später, der allgemeinen Lohnerhöhung für das Bundespersonal dieses Jahr. Aber es gab in letzter Zeit noch einige weitere Erfolge: die Erhöhung um eine Lohnklasse der Zollinspektorate in der Endstellung, die Verhinderung der Rückstufung der Zollrevisoren, die neue Verordnung über den frühzeitigen Altersrücktritt für die Grenzwacht-Angestellten im Rahmen der Publica-Reform.

 

Was waren die schmerzvollsten Enttäuschungen für  garaNto?

Die schlimmste war wohl die Publica-Reform, welche den Versicherten höhere Beiträge über mehr Jahre für schliesslich weniger Rente abverlangt - ausser eben dem GWK-Personal. Eine herbe Enttäuschung ist aber auch die fortschreitende Zerstörung der Sozialpartnerschaft seit dem Amtsantritt von Bundesrat Merz im EFD.

 

Wo siehst du die Stärken von garaNto heute?

garaNto ist eine Realität und hat eine eigene, gut entwickelte Identität, in welcher sich die Mitglieder wiederfinden. garaNto ist in der helvetischen Gewerkschaftslandschaft gut positioniert, hat ein mit echten Profis bestücktes Zentralsekretariat und wird von einem fähigen, motivierten und pflichtbewussten Zentralvorstand geleitet. Und dank seines hohen Organisationsgrades ist garaNto unbestrittener Leader unter den Sozialpartnern der EZV.

 

Wo kann oder muss garaNto deiner Meinung nach stärker bzw. besser werden?

Dringend verbessert werden müssen die Strukturen in den Sektionen. Vor zwei Jahren sind dazu regionale Stützpunkte geschaffen worden, deren Verantwortliche am diesjährigen Kongress gewählt werden. Das ist bestimmt ein Schritt in die richtige Richtung. Auch die Information der Mitglieder und die Anwerbung neuer Mitglieder werden verbessert.

 

Wo siehst du garaNto in der Zukunft?

Wie gesagt, garaNto ist stolze Wirklichkeit. Dennoch wird garaNto nicht den Fehler machen, sich in Selbstspiegelung und Bauchpinselei zu verlieren. Wer die Augen offenhält, stellt fest, dass in der Arbeitswelt ein Strukturwandel abläuft, der niemanden ausspart. Das zwingt die Gewerkschaften, ihre sozio-politische Ordnung und ihre Mobilisierungsfähigkeit in einem immer stärker von Individualismus geprägten Arbeitsumfeld zu überdenken. Und genau in diesem Umfeld kommt unser Milizsystem an seine Grenzen. Es gibt meines Erachtens nur zwei Auswege: Die Schaffung von mit Profis dotieren Regionalsekretariaten - nebst dem bestehenden Zentralsekretariat - mit beträchtlichen Folgen gerade auch für unsere Finanzen. Oder garaNto verfolgt weiterhin den Weg des Mandats des 2. ordentlichen Kongresses 2004, mit anderen Gewerkschaften der öffentlichen Dienste Verhandlungen über eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit oder Fusion, eine Neugruppierung oder Gründung einer grossen Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes aufzunehmen. Carpe diem, garaNto!

 

Du hast dich sehr für die Gewerkschaft eingesetzt, manchmal bis über das physisch und psychisch Zumutbare hinaus. Hat sich das für dich gelohnt?

Ich wollte immer jenen helfen, welche in Not sind. Ich wollte immer Ungerechtigkeiten bekämpfen, vor allem die sozialen. Deshalb danke ich allen Mitgliedern von garaNto, dass sie mir diese Gelegenheit gegeben haben. Es war eine wundervolle Erfahrung die ich ohne zu zögern wieder machen würde.

 

Vielen Dank für dieses Gespräch und die besten Wünsche für dich und deine Familie.

 

Giordano Schera bleibt der Gewerkschaft garaNto nicht nur als Mitglied erhalten, sondern amtet voraussichtlich bis 2010 als Vizepräsident der UFE (Union des Finanzpersonals in Europa) sowie als vom Bundesrat gewählter Vertreter in der eidg. Arbeitszeitgesetz-Kommission bis 2011. Zudem stellt sich Giordano Schera weiterhin für gewisse garaNto-Bildungskurse zur Verfügung.

 

Legende:

1)          VSZP = Verband des Schweizerischen Zollpersonals, gegründet 1906

2)          VSZB = Verband Schweizerischer Zollbeamter, gegründet 1896

3)          Föderativverband des Personals öffentlicher Verwaltungen und Betriebe (FöV), seit 31.12.2002 nicht mehr operativ und am 1.1.2003 ersetzt durch die Verhandlungsgemeinschaft Bundespersonal (VGB)

 

Kurzbiographie Giordano Schera - beruflich

  • Geboren am 25.02.1947 in Muggio (TI)
  • 1961 - 62 Kollegium in Brig (deutsch und französisch)
  • 1962 - 65 Verkehrsschule St. Gallen
  • 1965 Zollschule Liestal: Ausbildung zum Zollbeamten; Praktikum auf dem Zollamt Chiasso Ferrovia
  • 1966 - 68 Zollamt Basel, SBB-Frachtgut (heute Basel St. Jakob)1969 - 76 Zollamt Riehen, 1976 als Dienstchef
  • 1969 - 76 Zollamt Riehen, 1976 als Dienstchef
  • 1976 - 85 Instruktor am Ausbildungszentrum der Zollverwaltung in Liestal (in D, F, I)
  • 1985 - 88 Zollamt Basel Post
  • 1988 - 91 Personalwerbung und -rekrutierung für die EZV bei der OZD, Bern

 

Kurzbiographie Giordano Schera - gewerkschaftlich

  • 1967 Eintritt in den VSZB, Sektion Basel
  • 1976 -78 Mitglied des Sektionsvorstandes des VSZB, Sektion Basel
  • 1979 - 84 Sektionspräsident der VSZB-Sektion Basel
  • 1985 - 91 Zentralpräsident des VSZB
  • 1985 - 2003 Mitglied der Stellenbewertungskommission des Bundes
  • 1992 Erster Zentralsekretär der beiden Zollverbände VSZB und VSZP im Sekretariat PTT+Z (später Sekretariatsgemeinschaft Kommunikation und Zoll)
  • 1992 Mitglied der Geschäftsleitung des FöV, ab November 2000 Präsident dieses seit 2003 inaktiven Dachverbandes
  • 2003 - 08 Mitglied der Geschäftsleitung der Verhandlungsgemeinschaft Bundespersonal (VGB), der Nachfolgeorganisation des FöV
  • 1993 - 2001 Vertreter des VSZB und des VSZP im SGB-Vorstand, 1998 - 99 auch im SGB-Präsidialausschuss
  • 2002 - 08 Vertreter von garaNto im SGB-Vorstand
  • Seit 1985 Vertreter von garaNto in der Union des Finanzpersonals Europas (UFE), seit 1996 als deren Vizepräsident.
  • 2003 - 08 Mitglied im Begleitausschuss der Sozialpartner des Bundes (BAS)
  • Seit 2001 Mitglied der Eidg. Arbeitszeitgesetz-Kommission
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