Mehr Sonntagsarbeit - nein danke!

27.10.2005

Volksabstimmung vom 27.11.2005
 
Mehr Sonntagsarbeit – nein danke!
 
Morgen neu Waschmaschinen im sonntäglichen Bahnhof, übermorgen Sonntagsarbeit  in Verkaufs und Dienstleistungsgeschäften in der Bahnhofstrasse, ein paar Jahre später… Nein, der Damm ist heute aufrecht zu erhalten: So das Arbeitnehmer/innenkomitee „Nein zu mehr Sonntagsarbeit“ zur Eidg. Volksabstimmung vom 27.11.2005
 
Ewald Ackermann
 
Nicht mehr nur Brot und Butter, sondern neu auch der Kühlschrank, nicht mehr nur ein Blumenstrauss, sondern neu auch das Mosaiktischchen, auf dem er stehen soll, nicht mehr nur der Haarschnitt, sondern neu auch der Abschluss einer Lebensversicherung soll am Sonntag in den Bahnhöfen möglich sein. Die Gewerkschaften bekämpfen diese Ausweitung von Sonntagsarbeit als unnötig. „Denn der arbeitsfreie Sonntag ist die älteste Institution des Arbeitnehmerschutzes überhaupt“, sagt SGB-Präsident Paul Rechsteiner - und deshalb ein Gut, das man nicht leichtfertig preisgeben darf.
 
Die Lawine stoppen
Die Ausdehnung der Sonntagsarbeit in den Bahnhöfen ist nur der erste Schritt zur Einführung der allgemeinen Sonntagsarbeit. So sicher wie das Amen in der Kirche ist, dass die ausserhalb des Bahnhofs gelegenen Geschäfte und Dienstleister auf Wettbewerbsverzerrung klagen und für sich auch Sonntagsarbeit beanspruchen werden. Und der Ständerat hat bereits eine Motion „zur Erweiterung der Beschäftigungsmöglichkeit am Sonntag“ überwiesen. Der  Nationalrat hat entschieden, diese Motion erst nach dem Volksentscheid von Ende November zu behandeln. Damit hat er die beiden Vorlagen direkt verknüpft. Seine Botschaft: Ein Ja zur Ausdehnung der Sonntagsarbeit in den Bahnhöfen bedeutet ein Ja zu dieser Motion und damit den Anfang vom Ende des weitgehend arbeitsfreien Sonntags. Ein Nein hingegen errichtet einen Damm, der in den kommenden Jahren eine Lawine verhindert.
 
Im Gleichschritt mit
SGB-Zentralsekretärin Doris Bianchi situiert die Vorlage im Kontext der gegenwärtigen Arbeitnehmerschutzpolitik. Das seit 2000 geltende revidierte Arbeitsgesetz werde nicht nur hier, sondern an vielen Pfeilern gleichzeitig zu verschlechtern versucht: “Die beabsichtigte Senkung des Jugendschutzalters, die Verbreitung der Dauernachtarbeit, die grosszügige Bewilligungspraxis für Nacht- und Sonntagsarbeit in Produktionsbetrieben, der lasche Gesetzesvollzug und nun die Freigabe der Sonntagsarbeit an Bahnhöfen fügen sich zu einem beunruhigenden Gesamtbild.“
 
Den gleichen Franken kann man nicht sonntags und montags ausgeben
Travail.Suisse Präsident Hugo Fasel reklamiert für sich sonntags „das Recht auf Ruhe und das Recht darauf, in Ruhe gelassen zu werden.“ Er wolle sich nicht neu durch einen Callbüro-Anruf beim Familienjass stören lassen. Aber wird die Störung des Sonntagsfriedens nicht aufgewogen durch den volkswirtschaftlichen Nutzen? Fasel: „Der Konsument kann seinen Franken nur ein Mal ausgeben, auch wenn die Läden einen Tag länger geöffnet bleiben. Allerdings führt die Ausdehnung der Sonntagsarbeit zu einer anderen Verteilung des Kuchens. Verdrängungskämpfe werden stattfinden. Die mächtigen Grossdetaillisten in den Bahnhöfen werden sich einmal mehr gegen die kleineren Läden in Quartieren und Agglomerationen durchsetzen.“
 
Panikmache
Sie wollten künftige Geisterbahnhöfe, möchten den Menschen das frische Sonntagsbrot nicht mehr gönnen, möchten so das Rad der Zeit zurückdrehen: So qualifizieren die Befürworter zuweilen die Gewerkschaften in dieser Auseinandersetzung. Sie selbst aber, die Jasager, wollten nur den Status quo erhalten. „Alles Unsinn, geradezu absurd, wenn die Befürworter der Vorlage heute behaupten, man müsse das Gesetz ändern, um den Status quo zu erhalten“, kontert Unia-Gewerkschafter André Daguet. Die Gewerkschaften wollen keiner Bäckerei, keinem Kiosk, keiner Apotheke und keinem Lebensmittelgeschäft die Sonntagstore schliessen. Aber sie wollten, dass der Sonntag nicht zum Werktag wird.
 
 
 

Sonntag und Sonntagszulagen
 
Natürlich gibt es Menschen, die am Sonntag zwingend arbeiten müssen, beispielsweise im öffentlichen Verkehr oder in Spitälern. Und unsere Grenzwächter/innen können ein über hundertjähriges Lied darüber singen! Aber auch die Beschäftigten in diesen Bereichen haben ein grosses Interesse am grundsätzlich arbeitsfreien Sonntag. Wird der Sonntag zum gewöhnlichen Wochentag, so verlieren sie nämlich den Anspruch auf die Zulagen für die unregelmässige Arbeit. Es kommt nicht von ungefähr, dass die SBB gerade jetzt einen Angriff auf die Sonntagszulagen der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner lanciert haben. Mit der geplanten Ausweitung der Sonntagsarbeit sind im Ergebnis alle Lohnabhängigen die Geprellten, ob sie heute am Sonntag arbeiten müssen oder nicht.
 
SGB-P + Red. garaNto
 
 
 
 
 
 
 

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