Über 25'000 an nationaler SGB-Lohndemonstration

11.10.2006

Über 25'000 an nationaler SGB-Lohndemonstration
 
„Jetzt sind wir an der Reihe: 4 % für alle und für die Frauen mehr!“
 
Über 25'000 Menschen folgten dem Appell des SGB und seiner Gewerkschaften und demonstrierten am Samstag 23.9.2006 in Bern im Hinblick auf die kommenden Lohnverhandlungen nachhaltig und bestimmt für die Forderung von „ 4 % für alle und für die Frauen mehr!“. Die Stimmung war friedlich, festlich gar. Aber die Entschlossenheit war zu spüren, dass man jetzt, endlich, nach mageren Lohnjahren, auch an der Reihe sei. An der nationalen Lohndemo nahmen auch zahlreiche Mitglieder von garaNto aus der ganzen Schweiz teil, die sich vor allem für eine Reallohnerhöhung im Jahr 2007 und eine gerechte PUBLICA-Reform zugunsten des Bundespersonals stark machten.
 
Ewald Ackermann, Pressesprecher SGB + Red.
 
Gerechnet hatten die Gewerkschaften mit 20'000 Teilnehmenden. Dass die Erwartungen übertroffen wurden, zeigt, dass und wie die Lohnproblematik unter den Fingern brennt.
 
Zuerst einmal die Frauen
Ein Novum ist nicht nur, dass die SGB-Verbände unter dem Dach des SGB eine einheitliche Lohnkampagne durchziehen. Ein Novum war ebenso, dass die Spitze des Demonstrationszuges von einem starken Frauenblock gebildet wurde. Denn mit Erfolg haben die Frauen der gewerkschaftlichen Lohnkampagne ihren Stempel aufgedrückt: die Forderung, dass der nach wie vor skandalös hohe Lohnunterschied zwischen Mann und Frau nun zielgerichtet angepackt werden müsse. Damit die Lohndiskriminierung endlich verschwände, müssen wir „den Druck auf die Arbeitgeber und ihre Verbände erhöhen“, rief Comedia-Copräsidentin Danièle Lenzin, eine der sechs Kundgebungsredner/innen, den Demonstrierenden zu.
 
Auf dem Bundesplatz
Berstend gefüllt war der Bundesplatz und bis weit hinaus verstopft die zu ihm hinführenden Gassen, als nach kurzen Begrüssungen in einigen Migrationssprachen der künftige Unia-Co-Präsident Andreas Rieger den von Christian Levrat moderierten Redereigen eröffnete. In den obersten Etagen der Wirtschaft  knallten die Korken zur Feier der Super-Resultate. Spitzenmanager erhielten Phantasie-Boni. Denn der Geschäftsgang sei so gut. Nur, fragte Rieger: „Warum gilt denn das für euch nicht?“ Die Menge auf dem Platz antwortete, trillerpfeifend, klatschend, hurrabrüllend, tutend, fahnenschwingend – ein erstes Mal, und dann noch oft während der insgesamt knappen halben Stunde Redezeit, flammte Emotion geballt. SEV-Präsident Pierre-Alain Gentil und VPOD-Generalsekretärin Doris Schüepp kritisierten die Steuergeschenke, die der Bund erneut den Reichen verteilen will. Sie forderten die öffentliche Hand dazu auf, sich vom Sparwahn zu befreien und endlich wieder ein korrekter Arbeitgeber zu sein. Vania Alleva, Leiterin Migration Unia, erinnerte daran, dass die ausländischen Arbeitnehmer/innen in diesem Land die tiefsten Löhne beziehen. Wenn die Lohnpolitik individualisiert werde, „dann sind wir nochmals die, die am stärksten benachteiligt werden.“
 
Klassenkampf von oben gegen unten
Als letzter Redner zog SGB-Präsident Paul Rechsteiner gleichsam die Bilanz der Demonstration: Es tobe in der Schweiz ein neuer „Klassenkampf der Reichen gegen die gewöhnlichen Leute.“ Ohne die Kraft der Gewerkschaften werde sich nicht viel bewegen. Deshalb: „Wir müssen der wirtschaftlichen Vernunft nachhelfen […].Den Gewerkschaften ist es zu verdanken, dass die zu tiefen Löhne zum Skandal geworden sind. Dank der Kampagne „Keine Löhne unter 3000 Franken“ sind grosse Fortschritte erzielt worden. Aber sie reichen nicht; jetzt braucht es eine substanzielle Lohnrunde für alle.“
 
Als gerecht und berechtigt empfunden
Die Gewerkschaften haben mit dieser imposanten, aber stets friedlich verlaufenen Lohndemonstration ein sehr starkes und Nachwirkung zeigendes Zeichen gesetzt. An einer von über 7000 Eisenbahner/innen besuchten Vordemonstration hatte zuvor bereits der SEV eindrücklich seinen Willen bekundet, einen massiven Abbau der Arbeitsbedingungen nicht zu schlucken und für einen dem heutigen gleichwertigen SBB-GAV zu kämpfen. Ebenso unübersehbar und besonders kämpferisch waren die Bauleute der Unia zu vernehmen. Sie werden die Baumeister, die vorderhand die Verhandlungen abgebrochen haben, sicherlich wieder an den Verhandlungstisch herbeiführen. Aber trotz diesen beiden starken Demopolen: die Teilnehmenden stammten – ein Abbild des SGB - aus allen Branchen und allen Regionen des Landes. „Bern in der Hand der Gewerkschaften“ hat zweierlei gezeigt: dass die Lohnforderungen der Gewerkschaften berechtigt und bei den Menschen als gerecht verankert sind. Das war ein starkes Signal und ein guter Humus für eine erneute Mobilisierung - wenn die Arbeitgeber in den kommenden Verhandlungen nicht fähig sein sollten, die Zeichen der Zeit zu lesen. 

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Ein Ziel – vier Gründe
 
Die nationale Lohndemonstration „4 % für alle und für die Frauen mehr!“ war ein Teil der gewerkschaftlichen Kampagne „Löhne rauf und Lohngleichheit jetzt“. Die vier (auch an der Demo) meist genannten Gründe für markante Lohnerhöhungen und zusätzliche für Frauen sind:

- Es ist höchste Zeit, jetzt die ersten Schritte zu tun, um die nach wie vor frappante Lohndiskriminierung der Frauen schrittweise zu beseitigen.

- Eine markante Lohnsteigerung ist berechtigt, weil die Wirtschaft wächst wie seit lange nicht mehr und die Ertragslage der Betriebe sehr positiv ist.

- Es ist höchste Zeit dafür, nach nunmehr 12 Jahren Lohnstagnation den Nachholbedarf für die meisten Erwerbstätigen zu stillen. Noch ausgeprägter gilt dies im öffentlichen Sektor.

- Es ist höchste Zeit dafür, dass nach Jahren, in denen die Spitzenmanager schamlos abgezockt haben, endlich die einfachen Leute an die Reihe kommen.
 
Im Rahmen der Verhandlungsgemeinschaft des Bundespersonals verlangt garaNto für das Jahr 2007 mindestens den Teuerungsausgleich, mindestens die Hälfte davon auch für die PUBLICA-Renten, die Fortsetzung der Entrichtung der einmaligen unversicherten Zulage von 1,9% sowie eine Reallohnerhöhnung für alle von 3% verteilt auf die Jahre 2007-2009.
 

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