Wackelrenten: Wie bitte?

29.09.2013

Die SBB wollen die Wackelrente einführen: Künftig soll nur noch 90% der Altersrente garantiert sein, die restlichen 10% sind abhängig vom Anlageerfolg auf dem Kapitalmarkt.

 

Das hat fatale Folgen für die Angestellten der SBB: Bei der Pensionierung verlieren sie gegenüber der geltenden Regelung Hunderte von Franken – pro Monat.

 

Wir alle wissen, dass die Renten für mittlere und tiefe Einkommen bereits tief bzw. sehr tief sind. Wir wissen auch, dass dies dem Bundesrat noch nicht weit genug geht – tief ist immer noch nicht tief genug: Er will den Umwandlungssatz im Rahmen der Altersvorsorge 2020 von 6,8 auf 6,0% senken, obwohl das Volk 2010 eine Senkung des Umwandlungssatzes auf 6,4% abgeschmettert hat. Und nun setzen die SBB noch einen drauf: Der Stiftungsrat der SBB-Pensionskasse will die „variable“ Rente, sprich „Wackelrente“, einführen.

 

Das steht in krassem Gegensatz zur Bundesverfassung: Diese schreibt vor, dass die AHV-Rente zusammen mit der Alterspension die Fortsetzung des gewohnten Lebens in angemessener Weise nach der Pensionierung sicherstellen soll.

 

Stellen wir uns einmal vor, Beschäftigte und Rentenbeziehende bezahlten ihre Krankenkassenprämien und Wohnungsmieten am Fälligkeitstag nur noch zu 90%, mit der Begründung, die Überweisung der restlichen 10% hänge davon ab, ob Ende Monat noch genug Geld in der Haushaltkasse sei. Oder die Mitarbeitenden erfüllen ihre Zielvereinbarung künftig nur noch zu 90%. Ob sie mehr leisten könnten, hänge davon ab, wie gut das Arbeitsklima und ihre gegenwärtige persönliche Verfassung sei.

 

Es ist unvorstellbar, dass Krankenkassen, Liegenschaftsbesitzer oder Arbeitgeber so etwas akzeptieren würden. Anders die SBB: Sie sind der irrigen Auffassung, die SBB-Mitarbeitenden würden diese Rentenkürzung ohne Weiteres schlucken.

 

Mit der Wackelrente setzen die SBB ein unmissverständliches personalpolitisches Signal: die Geringschätzung der Mitarbeitenden und künftigen Rentenbeziehenden. Sollten die SBB so dreist sein das Projekt durchzuziehen zu wollen, so haben sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Dann wird das heutige Rentensystem, welches von den Sozialpartnern getragen wird, in seinen Grundfesten erschüttert. Das käme einem Tabubruch gleich und würde die gesamte Gewerkschaftsbewegung auf den Plan rufen. Die SBB-Angestellten können im ihrem Kampf gegen die Wackelrente auf die Unterstützung der SGB-Verbände zählen – auch auf uns.

 

Umso wichtiger wird bei solch düsteren Aussichten aber auch die Unterstützung der Volksinitiative „AHV plus“.

 

André Eicher, Zentralsekretär

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