Wie mit Mobbing umgehen?

21.01.2009

Wie mit Mobbing umgehen?

 

Debora Caminada, Sekretärin garaNto

 

Als man mir vorschlug, einen Artikel über Mobbing zu schreiben, war ich zuerst begeistert. Aber meine Begeisterung war nur von kurzer Dauer.  Nachdem ich verschiedene Dokumente und Erfahrungsberichte gelesen hatte, erschien mir das Thema „Mobbing" am Arbeitsplatz plötzlich schwierig und sehr heikel. Natürlich bin ich mit der Problematik vertraut, da ich bei einer Gewerkschaft arbeite. Auch die Gewerkschaftswelt kann sich dieser sozialen Plage nicht ganz entziehen - dies sei nur am Rande vermerkt.

 

Nach der Lektüre mehrerer Fachartikel wurde mir rasch klar, dass es Mobbing in der Arbeitswelt schon immer gab. Aber erst seit 10 Jahren spricht man endlich auch offen darüber und versucht, diesem Übel entgegenzuwirken. Sehr häufig spricht man auch über sexuelle Belästigung, einer Variante des Mobbings. Davon sind vor allem Frauen betroffen. Die psychologische Belästigung - das Mobbing -  dagegen betrifft Frauen wie Männer, junge und ältere Arbeitnehmende.

 

Mobbing wird definiert als eine Folge feindseliger Handlungen seitens eines oder mehrerer Individuen, die systematisch darauf abzielen, das Opfer zu isolieren und am Arbeitsplatz auszugrenzen. Das ist ein schwerer Angriff auf die Persönlichkeit. Solche Machenschaften spielen sich oft im Verborgenen ab und enden in den meisten Fällen - falls das Opfer nicht bereit ist, aus seiner Anonymität herauszutreten - mit unfreiwilliger Kündigung und gravierenden Konsequenzen für die physische und psychische Gesundheit.

 

Die Personalverbände gehen mit Mobbing pragmatisch um: Das Schwergewicht liegt heute in der Prävention - das Beste, um sich zu gegen Mobbing zu verteidigen.

Nach einer Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) beeinträchtigt Mobbing nicht nur die Gesundheit, sondern hat auch negative Auswirkungen auf die Unternehmen und die Wirtschaft, z.B. Produktionsausfälle, Qualitätsverluste, Fehlzeiten, aber auch schlechtes Betriebsklima und demotivierte Mitarbeitende. Die Suche nach einvernehmlichen Lösungen liegt deshalb im Interesse aller.

 

Das Obligationenrecht nimmt die Arbeitgeber durch Artikel 328 in die Pflicht:

„Der Arbeitgeber hat im Arbeitsverhältnis die Persönlichkeit des Arbeitnehmers zu achten und zu schützen, auf dessen Gesundheit gebührend Rücksicht zu nehmen und für die Wahrung der Sittlichkeit zu sorgen. Er muss insbesondere dafür sorgen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht sexuell belästigt werden und dass den Opfern von sexuellen Belästigungen keine weiteren Nachteile entstehen."

 

Für den Bund als öffentlicher Arbeitgeber hält Artikel 9 b) der Bundespersonalverordnung (BPV) folgendes fest:

„Die Departemente verhindern durch geeignete Massnahmen unzulässige Eingriffe in die Persönlichkeit der einzelnen Angestellten, unabhängig davon, von welchen Personen diese ausgehen, insbesondere das Ausüben oder Dulden von Angriffen oder Handlungen gegen die persönliche oder berufliche Würde."

 

Um sich besser gegen Mobbing zu schützen, erhalten Mitglieder der Berufsverbände bzw. der Gewerkschaften Hilfe und Unterstützung, d.h. psychologischen Beistand, Rechtshilfe und ein Mediationsverfahren. Die Gewerkschaften können ausserdem, gerade als externe Betrachter, besser zwischen den betroffenen Parteien vermitteln.

 

Gemäss einer Erhebung von garaNto nehmen die Mobbing-Fälle in der EZV von Jahr zu Jahr zu. Meist sind sie erst auf den zweiten Blick als solche erkennbar: Sie stehen oft in Zusammenhang mit Personalbeurteilungen, mangelnder Eignung, Tauglichkeit oder Bereitschaft sowie disziplinarischen Massnahmen. Hilfe und Unterstützung bieten die Sektionen. Mobbing darf das Berufsleben sowie die Gesundheit keinesfalls beeinträchtigen!

 

  • Für 2009 plant garaNto - gemeinsam mit dem gewerkschaftlichen Bildungsinstitut Movendo - spezifische Kurse über Mobbing in allen Sprachregionen. Die Kursteilnehmenden lernen ihre Rechte kennen, welche konkreten Schritte sie im Konfliktfall unternehmen können und erhalten Gelegenheit, über konkrete Fälle zu diskutieren. Interessierte garaNto-Mitglieder wenden sich direkt an ihre Sektion.
  • Movendo bietet ausserdem individuelle Kurse zu diesem Thema an. Nähere Informationen erhalten Sie unter www.movendo.ch.
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Keine Angst vor der Personalbeurteilung! - Merkblatt Garanto


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