Ohne zusätzliche Ressourcen kann man die Kontrollen nicht intensivieren
Mitte März 2026 verabschiedete der Bundesrat einen Bericht, den er im Auftrag der Sicherheitspolitischen Kommission des Ständerats (SiK-S) verfasst hat. Die Kommission hatte am 31. Oktober 2025 intensivierte Grenzkontrollen mit grossem Mehr verlangt. Die Deutlichkeit der Forderungen veranlasste den Bundesrat dazu, diesen ohne Verzögerung Folge zu leisten.
In seinem Bericht erwähnt der Bundesrat, dass das BAZG gedenkt, die Kontrollen intensivieren zu können, ohne zusätzliche Mittel zu beanspruchen. Zwar werde das BAZG ein Konzept erarbeiten, wo es zusätzliche Finanzen und Instrumente braucht. Allerdings baut diese Intensivierung der Kontrollen unter anderem auf einen früheren Abzug von weitergebildeten Zollspezialisten vom Warenzoll zur Grenzkontrolle.
Die ungenügenden Personalressourcen sind ein Sicherheitsrisiko
Garanto stellt sich seit langem auf den Standpunkt, dass die Ressourcen für die Grenzkontrollen unzureichend sind. Im Zug der Sparmassnahmen in der Verwaltung, der Digitalisierung beim BAZG und den zwischenzeitlichen Mehrbelastungen (z.B. wegen der Allegra-Ausbildung) wird der Personalmangel beim Zoll und an der Grenze stetig schlimmer. Diese Idee, vom Zollpersonal mehr zu verlangen, aber nicht mehr Mittel zur Verfügung zu stellen, ist ein weiterer Schritt in eine gefährliche Entwicklung.
Diese Entwicklung gefährdet nicht nur das überlastete Personal, sondern auch die Sicherheit der Schweiz. Es ist richtig, angesichts der zuletzt gestiegenen grenzüberschreitenden Kriminalität die Kontrollen zu intensivieren, aber es braucht hierfür mehr Mittel, mehr Personal, mehr Kapazitäten. Würden die Ressourcen heute ausreichen, würde keine Kommission derart deutlich intensivere Grenzkontrollen fordern. Diese Forderung ist offensichtlich auf einen Mangel an Ressourcen zurückzuführen, nicht auf Misswirtschaft.
Die Lösung ist, mehr motivierte Leute für mehr Kontrolle einzusetzen
Was die Personenkontrollen angeht, hier ein Beispiel aus der Region Genf: Heute muss das BAZG nachts manchmal mehrere Posten gleichzeitig unbewacht halten. Mittlerweile beträgt der Personalmangel an manchen Lokalebenen um die 30 Prozent – das ist weder im Sinn des Personals, das überlastet ist, noch im Sinne des Gesetzgebers oder der Schweizer Bevölkerung.
Gleichzeitig ist zu bedenken, dass die langjährigen Grenzwächter heute in der Zahl nicht ausreichen, um die Personenkontrollen durchzuführen. Es ist auch für sie nicht einfach, die intensiveren Grenzkontrollen zusammen mit Zollfachleuten durchzuführen, die von den letztjährigen Entwicklungen der Reorganisation demotiviert sind, in Sachen Personenkontrolle die Erfahrung fehlt und vielleicht wider Willen von ihrer angestammten Arbeit abgezogen werden. Was der Grenzschutz braucht, sind mehr fähige, erfahrene und motivierte Leute. Die Sparmassnahmen und die Reorganisation belasten auch sie, obwohl sie im neuen Profil des «Fachspezialisten Zoll und Grenzsicherheit» bessergestellt werden als der heutige Grenzwächter.
Sparen kann einen Ausfall von Milliarden Franken bei den Zolleinnahmen bewirken
Die Knappheit an Ressourcen – und in diesem Fall insbesondere das Verschieben von Ressourcen vom Warenzoll zu den Personenkontrollen – kann gravierende Schäden in der Höhe von Hunderten Millionen, vielleicht Milliarden Franken jährlich beim Zoll bewirken. Der Warenzoll nimmt jährlich weit über 20 Milliarden Franken ein. Wenn hier die bereits heute ungenügenden Personalressourcen weiter abnehmen, dann wird das viel mehr Geld kosten, als man an Personalkosten einsparen kann.
Genau diese Warnung haben Zentralpräsident Jean-Luc Addor und Zentralsekretärin Debora Caminada an der Anhörung der Sozialpartner bei den Delegationen der Geschäftsprüfungskommissionen der beiden Räte am 15. April 2026 deponiert. An vielen Grenzorten und Flughäfen beträgt der Personalmangel bis zu 30 Prozent gegenüber dem Soll für eine gesetzesmässige Umsetzung des Auftrags. Wenn man noch intensivere Kontrollen verlangt, dafür Leute vom Warenzoll abzieht, dann gehen der Warenkontrolle Einnahmen verloren.
Ohne vertieftes Zollfachwissen ist das ein unkalkulierbares Risiko
Die Digitalisierung ist zwar ein Instrument, das in Zukunft in der Effizienz beim Warenzoll mitspielen kann, aber sie ist keine allumfängliche Lösung, um Personal einzusparen. Das berühmte "Bü-bü-bündnerfleisch" von Bundesrat Hans-Rudolf Merz macht ein gutes Beispiel über die fast absurde Komplexität des Zollfachwissens.
Gewisse Dinge kann man nicht digitalisieren. Das BAZG will in Zukunft weitgehend auf die Zollfachspezialisten verzichten, die de facto am 31.12.2027 aussterben. Zolltarif ist Gesetz – ein Gesetz kann nicht auf gut Glück umgesetzt werden, sonst verliert es seinen Sinn. Das ist das, was die Zollspezialisten ausmacht: Sie setzen einen öffentlich-rechtlichen Auftrag um. Dieser Auftrag ist nicht verhandelbar, und vereidigte Zollfachleute sind nicht dafür da, das Gesetz zu ignorieren oder auch nur auf die leichte Schulter zu nehmen.
Garanto beklagt seit längerem, dass die Direktion die Wichtigkeit des Zollfachwissens unterschätzt, weshalb dieses Know-how droht, verloren zu gehen. Ebenso hat Garanto – konkret: die Zollspezialisten – in der Vergangenheit wiederholt gewarnt, dass sich dies sehr negativ auswirken kann auf die Zolleinnahmen. Es gibt Stand heute keinen Beweis, dass das Mammutprojekt DaziT ab 2028 so gut funktionieren wird, dass man auf die Zollspezialisten und ihr Fachwissen verzichten kann. Dieses Risiko kann der Schweiz sehr teuer zu stehen kommen. Das würde sich in weiteren Sparrunden auf Kosten aller anderen Tätigkeiten des Bundes auswirken: Weniger Gelder für die Bildung, Gesundheit, Sicherheit, Verkehr, Umweltschutz, Energie, Verteidigung und so weiter.
Irgendwann kann das Personal die Last nicht mehr tragen
Die erfahrenen Angestellten des Zolls zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich der Wichtigkeit des guten Gelingens ihrer Arbeit sehr bewusst sind. Sie sind sehr gewissenhaft. Genau deswegen fühlen sie sich in der Verantwortung, trotz knapper Ressourcen, Sparrunden und verschlechternden Arbeitsbedingungen ihre Arbeit so gut wie nur möglich zu machen. Ab einem gewissen Punkt kann aber das Zollpersonal Fehlentwicklungen in der Politik nicht mehr mit herausragendem Einsatz kompensieren. Irgendwann ist es einfach zu viel, und das Personal kann den Schaden beim besten Willen nicht mehr abwenden.