Benachteiligung bei EZV-Stellenausschreibungen: Sprach-Diskriminierung kann alle treffen

15.06.2012

Am 31. Mai 2012 hat garaNto beim Oberzolldirektor gegen sprachliche Diskriminierung bei Stellenausschreibungen interveniert. In diesem Fall betrifft es – wie meistens – unsere Tessiner Kollegen. In anderen Fällen haben die Romands das Nachsehen aufgrund inkorrekter Stellenausschreibungen.

  

Nicht auszuschliessen ist, dass es auch mal Deutschsprachige trifft, wenn die Verwaltung nicht grösste Sorgfalt walten lässt. garaNto bekämpft seit eh und je jegliche Art von Diskriminierung und setzt sich auch für angemessene Vertretung aller Sprachen in der Bundesverwaltung generell und in der EZV speziell ein. Für die Mehrsprachigkeit  und die kulturelle Vielfalt in unserem Land hat das untenstehende Schreiben deshalb hohe Bedeutung für alle – als Angestellte wie als Staatsbürger/-innen.

 

OZ

 

Stellenausschreibungen EZV: Schreiben von garaNto, 31.05.2012

 

Diskriminierung der italienischsprachigen Mitarbeitenden

 

Sehr geehrter Herr Oberzolldirektor

 

Bei Stellenausschreibungen der Eidg. Zollverwaltung (EZV) werden italienischsprachige Mitarbeitende diskriminiert. Die Sektion Tessin hat uns wiederholt darauf aufmerksam gemacht.

 

Anlass zur jüngsten Kritik gab die Stellenausschreibung „Zollexperte, OZD, Abteilung Zollverfahren, Sektion Fahrzeuge und Strassenverkehrsabgaben, 23. Lohnklasse“ (Stellenanzeiger 13/2012). In dieser Ausschreibung wird “französische Muttersprache“ mit „guten deutschen Sprachkenntnissen“ verlangt. Damit werden Interessenten italienischer Muttersprache diskriminiert und faktisch vom Bewerbungsverfahren ausgeschlossen.

 

Am 10. Mai 2005 hat der Bundesrat die Motion (05.3186) von Chiara Simoneschi-Cortesi gutgeheissen, welche den Bundesrat auffordert, „jegliche Diskriminierung der italienischen Sprache bei der Ausschreibung von Bundesstellen zu beseitigen.“ Beide Räte haben der Motion zugestimmt.

 

In seiner Stellungnahme zur später eingereichten Interpellation (05.3672) der Motionärin hat der Bundesrat am 7. Oktober 2005 seine Haltung wie folgt präzisiert: „Auch Personen mit italienischer Muttersprache können die französische Sprache perfekt beherrschen sowie im schriftlichen Ausdruck in deutscher und englischer Sprache gewandt sein, weshalb die Funktion auch ihnen offen stehen muss. Personen italienischer Muttersprache, welche die Anforderungen erfüllen, dürfen bei der Prüfung der Bewerbung nicht benachteiligt werden.“

 

Wir fordern die EZV auf, die Stellenausschreibungen künftig so zu formulieren, dass jegliche Diskriminierung italienischsprechender Mitarbeitenden ausgeschlossen ist. Die Bestimmungen der Sprachenverordnung (SR 441.11), insbesondere die Art. 6 und 7, sind zwingend umzusetzen.

 

Wie sprachliche Diskriminierungen bei Stellenausschreibungen vermieden werden können, kann den „Empfehlungen für eine gute Stellenausschreibung“ vom 14. Dezember 2006 des Eidg. Personalamts entnommen werden.

 

Gerne erwarten wir Ihre Antwort.

 

Mit freundliche Grüssen

 

Gewerkschaft garaNto

Zentralvorstand

Zurück zur Übersicht

 

Keine Angst vor der Personalbeurteilung! - Merkblatt Garanto

weiterlesen