Damit der Traumberuf nicht zum Albtraum wird

24.03.2011

SGB-Verbände: Kapers – Swiss Cabin Crew Union

 

 Valérie Hauswirth ist seit 1988 Kabinenbesatzungsmitglied. Sie hat zuerst bei der CTA, dann bei der Swissair in dieser Funktion gearbeitet und nun bei der Swiss. Seit August 2009 ist sie Mitglied im Vorstand der Kapers, seit 1. Januar 2010 als deren Präsidentin. Dieses Amt übt sie in einem 50-%-Pensum aus. Hier spricht hier über ihren nicht-alltäglichen Beruf und ihre Gewerkschaft.

 

 Gibt es in deinem Beruf einen typischen Arbeitstag?

 

Valérie Hauswirth: Absolut, es gibt einen typischen Arbeitstag, denn auch in der Unregelmässigkeit lässt sich eine Regelmässigkeit finden. Unser Arbeitsplan erscheint sechs Tage vor Beginn des folgenden Monates. Das Sozialleben richtet sich somit nach dem Einsatzplan, und daher ist es für uns sehr wichtig, dass ein einmal publizierter Einsatzplan stabil bleibt. Dies führt dann immer wieder zu Diskussionen mit der Firma, wenn eben Einsatzpläne aufgrund von Unregelmässigkeiten abgeändert werden müssen.

 

 

Und wie arbeitest du als Präsidentin der Kapers?

 Valérie Hauswirth: Die Präsidentin wird – wie auch der ganze Vorstand – durch die Mitglieder direkt gewählt. Als Präsidentin bin ich in der Regel zwei Wochen pro Monat im Büro. Zeitweise plane ich mir aber noch zusätzliche Tage ein, um gewisse Projekte weiter zu entwickeln und mit unserem Geschäftsführer abzusprechen.

 

 

Wie hat eure Gewerkschaft das Swissair Grounding und den Übergang zur Swiss erlebt?

 Valérie Hauswirth: Dies war eine der intensivsten Zeiten für uns. Wir spielten eine zentrale Rolle, als es darum ging, das Parlament vom Überbrückungs- und Gründungskredit für die Swiss zu überzeugen. Gerade bei der uns sonst nahestehenden Sozialdemokratischen Partei wurden Stimmen laut, auf diesen Kredit nicht einzutreten, um dem „freisinnigen Filz“ eins auszuwischen. Da brauchte es einiges an Überzeugungsarbeit der Parlamentarier, und wir waren die einzige Gewerkschaft der damaligen Swissair, welche die notwendigen Verbindungen zu den betreffenden Nationalräten hatte. Mit anderen Worten: Ohne die Kapers wäre es denkbar, dass es die Swiss heute gar nicht geben würde.

 

 Wie sieht bei euch die Mitgliederentwicklung aus?

 Valérie Hauswirth: Grundsätzlich stabil, allerdings bemerken auch wir, dass die gewerkschaftliche Solidarität bei den Jüngeren auf weniger Resonanz stösst.

 

 Wie hoch ist euer Organisationsgrad?

 Valérie Hauswirth: Im Schnitt sind rund 85% der Cabin Crew Members der Swiss Mitglied bei der Kapers. Dies ist im schweizerischen Vergleich – aber auch international – ein sehr hoher Organisationsgrad.

Wie alle SGB-Verbände setzt sich auch die Kapers für die Mindestlohn-Initiative ein. Weshalb?

Valérie Hauswirth: Wir sind direkt von der Einführung eines Mindestlohnes betroffen. So liegt zum Beispiel das Einstiegssalär des Kabinenpersonals  deutlich unter den angepeilten 22 Franken pro Stunde der Mindestlohn-Initiative.

Welches war dein am meisten beeindruckendes Erlebnis als Flight Attendant … in der Luft?

Valérie Hauswirth: Meine schönsten Erlebnisse und Erinnerungen sind die Diskussionen und tiefschürfenden Gespräche mit Passagieren oder Kolleginnen und Kollegen. Die Tatsache, dass ich das regelmässig erleben darf, ist eine Erklärung dafür, dass es mir auch noch nach 24 Jahren Berufserfahrung immer noch so gefällt wie am ersten Tag.

Und als Gewerkschafterin … am Boden?

Valérie Hauswirth: Ich habe noch wenig Erfahrung in dieser Aufgabe. Seit 18 Monaten bin ich im Vorstand der Kapers, seit 13 Monaten als Präsidentin. Ich bin sehr froh um unser Team, welches mir den Rücken stärkt. Anfangs der neuen Amtsperiode, ab 1. Januar 2010, waren wir mit massiven personellen Wechseln konfrontiert. Die Hälfte der Vorstandsmitglieder war neu in ihrer Funktion. Was mir besonders gefällt, ist die Offenheit im Umgang und die offensive Haltung. Ich werde alles daran setzen, dies zu fördern und zu verstärken. Ich bin keine Einzelkämpferin, vielmehr bin ich überzeugt, dass wir die Kräfte bündeln müssen, wollen wir erfolgreich sein und bleiben.

Was siehst du als grösste Herausforderung der Zukunft?

Valérie Hauswirth: Wir wollen und müssen dem Mentalitätswandel unserer Sozialpartner entgegentreten. Es darf in der Arbeitswelt nicht allein um nackte Zahlen gehen, sondern im Mittelpunkt muss wieder das Wohl aller Menschen stehen, nicht der pralle Geldbeutel der Superprivilegierten. Zahlen kann man leicht ändern oder verschieben – Menschen nicht.

Interview: Oscar Zbinden (Februar 2011) / Foto: Kapers


Die Kapers in Kürze

Der Name „Kapers“ kommt von Kabinenpersonal. Als einzige Gewerkschaft für Schweizer Kabinenpersonal unterstützt die Kapers sämtliche Cabin Crew Members – auch jene, die bei Air Berlin, Easy Jet, Edelweiss, Helvetic und Privat Air arbeiten. Mit ihrem Sozialpartner Swiss International Air Lines handelt die Kapers die Gesamtarbeitsverträge für das Kabinenpersonal der Swiss aus. 

Als die Kapers 1971 gegründet wurde, schlossen sich die Vereine der Swissair-Hostessen (VdSH) und der Swissair-Stewards (VdSS) zu einer starken Gewerkschaft zusammen. Das Ziel ist über all die Jahre dasselbe geblieben: die Interessen aller Cabin Crew Members vertreten, gute Arbeitsbedingungen aushandeln sowie die Anerkennung des Berufes „Cabin Crew Member“ vorantreiben. Seit 1992 erhalten Cabin Crew Members nach erfolgreichem Bestehen der Berufsprüfung einen eidgenössischen Fachausweis. 

Die gegenwärtig rund 2600 Mitglieder unterstützt die Kapers in allen arbeitsrechtlichen Belangen der Fliegerei. Die Tätigkeit des Kabinenpersonals lässt sich nicht mit anderen Berufen vergleichen: Unregelmässige Arbeitszeiten, Zeitverschiebung sowie ständige Druck- und Klimaunterschiede gehören genauso zum Berufsalltag wie das Reisen in ferne Länder. 

Das Fliegende Personal benötigt einen besonders hohen Arbeitnehmerschutz, da es nicht dem Schweizerischen Arbeitsgesetz unterstellt ist. Immer wichtiger wird die enge Zusammenarbeit mit Partnergewerkschaften des Flughafenpersonals sowie den Piloten. Auch politisch ist die Kapers als Mitglied der Internationalen Transport-Föderation (ITF) sowie des Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) gut vernetzt. Dem SGB ist die Kapers 2003 im Beobachterstatus beigetreten, seit 2010 als Vollmitglied. 

(Kapers)


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