MITGLIEDERPOST: Verändern statt verbessern?


Verändern statt verbessern?

Dieser Leserbrief in Deutsch unter dem Pseudonym „Alfred Adler“ in unserer August-Zeitung („Mitgliederpost“, S. 15) hat viel zu reden gegeben. Derart viel, dass wir ihn nun auch unseren französisch- und italienischsprachigen Mitgliedern in ihrer Muttersprache zur Verfügung stellen. Bekanntlich übersetzen wir Leserbriefe grundsätzlich nicht, bis auf seltene Ausnahmen wie die untenstehende.

OZ


Veränderungen sind Teil des Lebens. Speziell der Zoll war schon immer von Veränderungen begleitet durch eine Vielzahl von Reorganisationen, ob diese nun sinnvoll waren, sei dahingestellt. Das ist offenbar auch nicht wichtig, denn Hauptsache ist, es ändert sich etwas, auch wenn es nur die Büronummer oder die Adresse ist.

 

Das reichste Land der Welt muss sparen. So will es die Politik. Die Leitplanken sind vorgegeben: Bildung, Forschung, Soziales und Personal. Zu stark ist die Lobby als dass die Sparvorgaben sinnvoll wären. Speziell in einer solchen Situation wäre ein Chef mit Format, Personalführungsqualität inkl. Sozialkompetenz und Methodik wichtig, welcher Erfahrung hat mit einer so grossen Zahl von Mitarbeitern und nicht nur mit einer grossen Anzahl von Stühlen in Hörsälen und Hochsitzen bei der Jagd. Stattdessen wird das Personal von Beginn weg als „Jammerlis“ tarifiert.

Das Personal der EZV hat in der Vergangenheit nicht nur viele Veränderungen ertragen, sondern auch neue Aufgaben übernommen: trotz Einstellungsstopps, Lohnbremse und vieler anderer „genialer“ Ideen immer neuer Chefs. Ein Mitarbeiter, welcher seine Arbeit nicht verteidigt, wäre ein schlechter Mitarbeiter. Und natürlich haben dieselben Mitarbeiter auch mit der absolut fehlenden Logik einiger Vorgaben Mühe.

 

Abermillionen in schwere IKT- und Infrastruktur-Projekte stopfen, die gerade angeschafften IP-Telefone ersetzen – wo doch nicht einmal Outlook stabil läuft – und dann bei den tiefen Lohnklassen, Dienstwohnungen, Ferienwohnungen, Zulagen und Personalkosten sparen oder bewährte Teile der EZV komplett abstossen: Geht es darum die EZV an die Wand zu fahren? Wo ist das Vorbild? In den Lohnklassen über 30 und Überklasse: minus 5 Lohnklassen, zum Beispiel? Aber da ist das eigene Gärtchendenken ausgeprägter als bei Mitarbeitern, welche nur verhindern wollen, dass einmal mehr grundlos ihre Arbeit hinterfragt wird.

 

Die Rechnung Outsourcing = Sparen geht nicht auf. Hinterher kommt eine Rechnung, die meist höher ist als die Personalkosten vorher. Und die Erfahrung hat gezeigt, dass oft auch die Qualität darunter leidet. Auch die Verschiebung des Zolllabors zum METAS ist eher eine persönliche Angelegenheit – nachdem es beim ersten Mal nicht geklappt hat – denn eine Notwendigkeit. Geht als nächstes die LSVA zum ASTRA und die EAV zum BAG?! Vorschlag: Die GL zum Schweizerischen Nationalmuseum! Dann wäre das mit der Personalpolitik basierend auf Einschüchterung erledigt.

 

Veränderungen wären in Ordnung, wenn sie auch Verbesserungen bringen würden und nicht nur eine Umzugsrechnung von Hunderttausenden Franken. Die geplante Vereidigungsübung mit Partys und Bundesrat ist angesichts der Sparvorgaben ein Schlag ins Gesicht!

 

Chef sein heisst nicht einschüchtern und stolz sein, dass es ein paar Leute gibt, die zu allem Ja sagen. Chef sein heisst überzeugen! Aber mit Respekt und Einfühlungsvermögen, auch mit Varianten und Plan B. Chef sein heisst, hinter seinem Personal zu stehen und es zu verstehen und den Leuten in die Augen zu sehen, wenn man mit ihnen spricht. Der Chef soll das Feuer im Personal entfachen und nicht unter ihm.

 

In der Vergangenheit wurde beim zivilen Zoll und beim GWK oder auch bei der Reorganisation OZD gezeigt, dass es hauptsächlich darum ging, etwas zu verändern und nicht zu verbessern. Es ist nicht verboten, der Politik auch Vorzüge seiner Mitarbeiter aufzuzeigen, was natürlich schwierig, aber nicht unmöglich ist. Respekt muss man sich in jeder Position verdienen. Es funktioniert aber nicht, indem ein Chef sagt: „Ich bin der Chef“. Personalführungskurse Tag 1, Lektion 1.

 

Alfred Adler (Name der Redaktion bekannt)

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Greisenkorps GWK: Ausrüstung / Corps de vieillards: équipement / Corpo di anziani: equipaggiamento

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