Murks-App nicht hilfreich

31.08.2018

Mit der App «Quickzoll» kann man neu online verzollen. Doch die Bedienerfreundlichkeit lässt noch zu wünschen übrig.

Bis anhin musste ein Schweizer Einkaufstourist, der die ausländische Mehrwertsteuer zurückerstattet haben will, sich zuerst beim ausländischen Zollamt die Ausfuhr bestätigen lassen und sodann – bei einem Warenwert über der Zollfreigrenze von Fr. 300.- bzw. bei Waren mit spezifischen Obergrenzen – beim Schweizer Zoll die Auslandeinkäufe schriftlich anmelden. Inzwischen hat die Eidgenössische Zollverwaltung seit dem 1. April 2018 die App «Quickzoll» für Android und Apples IOS aufgeschaltet. Damit ist nun bei der Einfuhr von Waren für den Privatgebrauch eine Deklaration per Smartphone möglich

Zeit ist Geld

Was als Erleichterung für die Konsumenten gedacht war, hat jedoch seine Tücken. Konsumentenzeitschriften wie «saldo» oder «bonasavoir» weisen auf eine Reihe von Mängeln der App hin. Nutzt man diese, so besteht etwa für die Einfuhr ab Online-Verzollung lediglich ein Zeitfenster von 2 Stunden. Will man Zeit sparen und direkt nach dem Warenerwerb die Verzollung vornehmen, bleiben einem für die Rückfahrt bis zur Landesgrenze nur noch 2 Stunden. Überschreitet man diese Frist, was bei verspäteter Landung auf dem Flughafen oder einem Stau auf der Autobahn schnell geschehen kann, muss man anfallende Zollgebühren und Mehrwertsteuer nochmals bezahlen. Auch wenn sich dies bei einem vorausschauenden Handeln vermeiden lässt, so relativiert es doch den Effizienz- und Zeitgewinn, wenn nach wie vor die Verzollung nur an – oder kurz vor – der Landesgrenze stattfindet. Hinzu kommt, dass das Schlangestehen am ausländischen Zollschalter weiterhin nötig ist. Welche Dimensionen dies hat, wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass alleine im Jahr 2016 Schweizer Einkaufstouristen an deutschen Zollstellen 17,6 Millionen Ausfuhrscheine einreichten. Zukünftig werden dies nicht weniger sein.

Nötigung

Schwerer wiegt jedoch noch, dass die Verzollung aller Waren mit «Quickzoll» lediglich zum höchsten Schweizer Mehrwertsteuersatz von 7,7 Prozent möglich ist. Dies betrifft auch Waren wie Bücher, die eigentlich einem reduzierten Mehrwertsteuersatz unterliegen. Der Nutzer der App zahlt so höhere Abgaben, als gesetzlich eigentlich vorgesehen ist. Ein solches Nutzungsdesign der App mit einfacherer Handhabbarkeit zu begründen, greift zu kurz. Eher grenzt es an Nötigung, wenn man deren Nutzung von der Bereitschaft abhängig macht, mehr Steuern zu zahlen als man dem Staat schuldet. Es ist sicher kein «Rappenspalten», wenn die Bürger darauf bestehen, beim Verzollen korrekt behandelt zu werden.

Weiterentwicklung nötig

Diese und weitere Mängel sind wohl einer übereilten Einführung der App geschuldet. Nachdem der Auftrag für deren Entwicklung erst im Herbst 2017 erfolgt war und sie im darauffolgenden Winter getestet wurde, war das Ziel, sie bereits zum 1. April 2018 einzuführen, zu ambitioniert. Nun braucht es ein baldiges Re-Design, um die gröbsten Mängel zu beheben und ausgereifte Lösungen zu finden. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die Blechlawinen an den Grenzen noch länger werden, falls die Zollfreigrenze gesenkt oder gar abgeschafft werden sollte – letzteres sieht etwa eine aktuelle Thurgauer Standesinitiative vor. Anstatt den Einkaufstourismus zu bekämpfen, legt Thomas Lattmann in der Zeitschrift «saldo» nahe, diesen durch eine App zu erleichtern, die auch die Ausfuhrbescheinigungen an der ausländischen Zollstelle überflüssig machte. Nur eine solche App wohl wäre wirklich hilfreich bei der Vermeidung von Stau und Arbeitsüberlastung, «eine solche App ist aber nicht geplant.»

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