Rücktrittsalter 60 ist sinnvoll und richtig: Gestern - heute - morgen

Garanto kämpft vehement gegen die Abschaffung des Rücktrittsalters GWK 60. Gut begründete Argumente für ein früheres Rücktrittsalter für Grenzwächter an der Front gibt es viele. Es sind im Wesentlichen dieselben wir schon vor Jahren. Das zeigt auch dieses Interview mit Josef Breitenmoser.


Josef Breitenmoser, ab 1967 Grenzwächter, war zuletzt als Postenchef in Oberriet (SG), im Rheintal tätig, bevor er 2004 in den auch von ihm hart erkämpften und wohlverdienten GWK-Vorruhestand 58 treten konnte. „Sepp“ war auch bei Garanto bzw. dem VSZP* jahrelang aktiv; beim VSZP* an vorderster Front im ZV. Noch bis vor rund drei Jahren hat Sepp immer wieder an nationalen Anlässen und Gruppensitzungen von Garanto teilgenommen. Seit 2007 ist er Obmann der Pensioniertengruppe der Garanto-Sektion Rhein.


Wie hast du als AdGWK die Zeit vor Einführung des GWK-Vorruhestandes 58 erlebt? Was war damals anders im beruflichen Alltag?

Das Projekt beschäftigte den damaligen ZV intensiv, mich als «Schriftführer» (Sekretär) desselben ganz besonders. Dank dem Wohlwollen des damaligen Kommandanten Plazi Cadruvi konnte ich einiges während der Arbeitszeit erledigen.

Der berufliche Alltag war damals weit angenehmer und menschlicher. Punkto Sicherheit lag jedoch einiges im Argen. Sicherheit war damals eine eher rudimentäre Angelegenheit. Dann aber wurde das Thema „Sicherheit“ sozusagen vom Mittelalter in die Moderne katapultiert.

Wie standen damals deine älteren Kollegen zum angestrebten Vorruhestand?

Viele ältere Kollegen glaubten nicht, dass der VSZP* erfolgreich sein würde. Die jüngeren hingegen hofften darauf.

Gab es damals genug Nischenarbeitsplätze?

Bei weitem nicht! Es war auch nicht die Absicht der Verwaltung, solche zur Verfügung zu stellen; vielmehr wurde uns von Verwaltungsseite beschieden, nur noch AdGWK in den Zivildienst übertreten zu lassen, wenn sie das Stellen-Anforderungsprofil erfüllten.

Wie schlugen sich die älteren AdGWK, welche keinen „rückwärtigen“ Posten erhielten, denn durch?

Das war ziemlich unterschiedlich: Der Einsatz im Dienst wurde z.B. auf das Notwendige beschränkt, die Absenzen wegen Krankheit mehrten sich, die «Zugriffigkeit» wurde vermehrt beanstandet.

Gab es Unmut unter den jüngeren AdGWK über gewisse Privilegien älterer AdGWK (Diensttouren, Nachtschicht)?

Nur selten – viel eher war das Verständnis dafür recht gross, zumal die jüngeren nicht immer gerne mit älteren Kollegen zusammenarbeiten wollten. Die nachlassende Agilität der Älteren war immer wieder ein Thema.

Die Einführung des Vorruhestandes war ein grosses Verdienst von Garanto. Wurde dies damals von den AdGWK auch so erkannt und gewürdigt? Oder wurde es bald zur Selbstverständlichkeit?

Seitens der Garanto-Mitglieder wurde „GWK 58“ als Verdienst des Verbandes anerkannt und entsprechend gewürdigt und geschätzt. Nichtmitglieder spielten den Erfolg des Verbandes herunter, oft mit dem Argument, auch sie könnten ja nun mit 58 den Ruhestand geniessen. Und das meist mit hämischem Unterton…!

5) Wie konntet ihr die damaligen Gegner des Vorruhestandes 58 überzeugen bzw. überstimmen?

Am meisten überzeugte das Argument der nachlassenden Sicherheit als Folge der sich abbauenden Agilität, insbesondere bei Konfrontationen. Allerdings konnten nicht alle diese Argumentation gutheissen; wer gibt schon gerne zu, nicht mehr ganz auf der Höhe zu sein?

In der «politischen Phase» war ich Vizepräsident des St. Galler Kantonalschützenverbandes.

Zum Programm gehörte beim Feldschiessen der Besuch eines Bezirks, wozu die wichtigsten Vertreter aus der Politik – wie National- und Ständeräte – eingeladen wurden. Die bürgerlichen Ratsmitglieder waren jeweils sehr gut vertreten. In der «heissen Phase» war „GWK 58“ auch Diskussionspunkt an der Feldschiessentour, und einzelne Politiker/-innen sprachen mich als Grenzwächter darauf an. Immer wieder tischten sie Vergleiche mit anderen körperlich anstrengenden Berufen wie Bauarbeiter, Bahn- und Postangestellte, Forstwarte, Landwirte usw. auf. Ich brachte dann primär das Thema Sicherheit zur Sprache und wollte wissen, wie sie sich denn in kritischen Situationen verhalten würden. Ich betonte gebetsmühlenartig, welch tragende Rollen geistige und körperliche Fitness spielen.

Einige Angesprochene wurden vom Sicherheitsargument überzeugt. Als schliesslich das Thema in den Räten beraten wurde, durfte ich feststellen, dass auch von bürgerlicher Seite die Zustimmung, auch seitens der St. Galler Vertreter, überraschend hoch war.

Welche Argumente stehen für dich beim Kampf für den Erhalt  des GWK-Rücktrittsalters 60 heute im Vordergrund?

Sicherheit und Durchsetzungsvermögen: AdGWK müssen von den „Kunden“ draussen ernst genommen und respektiert werden. Das bedingt eine sehr hohe geistige und körperliche Leistungsfähigkeit. Mit zunehmendem Alter nimmt diese gezwungenermassen ab. Darum: Sicherheit kennt keine Kompromisse!

Interview: Oscar Zbinden, Informationsbeauftragter


*VSZP: Verband des schweizerischen Zollpersonals (Grenzwächter) – einer der beiden Vorgängerverbände von Garanto (Gründung: Dez. 2001); der andere war der VSZB (Verband Schweizerischer Zoll-Beamter).


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