Vorwärts mit der Lohngleichheit!

Seit Jahren verdienen Frauen weniger als Männer, seit Jahren beträgt der Unterschied zwischen Männer- und Frauenlöhnen ungefähr einen Fünftel. Ein Teil davon lässt sich erklären: Frauen wählen schlechter bezahlte Berufe, wenden mehr Zeit für unbezahlte Haus- und Familienarbeit auf und stossen ihren Kopf an der gläsernen Decke an.

 

Doch 42 Prozent des Lohnunterschieds lassen sich auch damit nicht erklären. Der grösste Teil davon ist und bleibt diskriminierend: Frauen verdienen weniger als Männer, weil ihre Vorgesetzten unbewusst weibliche Arbeit weniger gut bewerten als männliche, weil sie davon ausgehen, dass Frauen Familienpause haben werden oder dass sie als Zuverdienerinnen nicht auf einen angemessenen Lohn angewiesen sind. Einigen ist es vielleicht auch einfach egal. Auf jeden Fall harrt der Verfassungsgrundsatz der Lohngleichheit über 20 Jahre nach Einführung des Gleichstellungsgesetz immer noch seiner Erfüllung.

 

Die Medien haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass dieses Gesetz nicht befolgt wird, es ist ihnen schlicht nicht mehr der Rede wert. Anders die Delegierten des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB): Sie haben an ihrer Versammlung am 3. November 2017 beschlossen, den fortwährenden Skandal der Lohndiskriminierung von Frauen endlich zu stoppen. Die aktuelle Revision des Gleichstellungsgesetzes nehmen sie zum Anlass, ein entschieden schärferes Vorgehen gegen die Lohndiskriminierung zu fordern.

 

Erst ein kleiner Schritt

Die Revision, mit dem der Bundesrat die Unternehmen zu Lohnanalysen auffordern will, ist schwach – erst ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Aber dieser kleine Schritt ist, wie schon die Einführung des Gleichstellungsgesetzes 1996, ein Verdienst der Gewerkschaften. Ohne uns, unser Engagement und unsere Überzeugungsarbeit, auch beim Bundesrat, könnten die Unternehmen weiterhin freiwillig den Verfassungsauftrag der Lohngleichheit erfüllen – oder auch ignorieren. Je nach Lust, Laune und Konjunkturlage. Nun sollen sie zumindest hinschauen: Die regelmässige Analyse würde denjenigen, die offen für Gerechtigkeit sind, die Möglichkeit bieten, ihre Lohnsysteme zu korrigieren und die Frauenlöhne den Männerlöhnen anzupassen.

 

Reaktionen von Privatunternehmen, die die Massnahmen begrüssen, machen Mut. Mut macht auch das Engagement von öffentlichen Verwaltungen. Bei diesen verhindern zwar Lohnsysteme mit klaren Kriterien Lohnexzesse bis zu einem gewissen Grad. Trotzdem beträgt auch in im öffentlichen Sektor der unerklärte – grösstenteils diskriminierende – Lohnunterschied 6.9 Prozent. Mittels der Charta der Lohngleichheit im öffentlichen Sektor, die 2016 lanciert worden ist, wollen bisher 24 Gemeinden, 12 Kantone und der Bund diesen 6,9% beikommen. Am 31. Oktober haben sich Mitarbeitende von Verwaltungen mit Regierungsvertretern/-innen und Lohngleichheitsexperten/-innen zum Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer getroffen.

 

Obwohl die Charta selber zwar wirksame Massnahmen gegen Lohndiskriminierung vorschlägt, jedoch keine Verbindlichkeit einfordert, kann sie etwas bewegen. Dies zumindest lassen die vielen Teilnehmer/-innen des Treffens und die angeregten Diskussionen hoffen.

 

Trotz den positiven Signalen von öffentlichen und privaten Arbeitgebern sind weitere Schritte nötig: Arbeitgeber, die sich bei der Lohnfestlegung nicht dreinreden lassen wollen, solche, die Frauen weniger zahlen, weil sie ja nur Zuverdienerinnen seien, und solche, die insgeheim davon ausgehen, dass Frauen weniger leisten als Männer, müssen vom Gesetz ebenfalls erfasst werden.

 

Sanktionen sind nötig

 

Schon beim Entwurf des Gleichstellungsgesetzes war klar, dass dafür auch der Staat Verantwortung übernehmen muss. Eine Behörde, die untersuchen und sanktionieren kann, war geplant – und im Parlament wieder rausgefallen. Nötig wäre sie nach wie vor, wie zahlreiche Studien und Evaluationen immer wieder zeigen. Der SGB fordert deshalb, dass die Verantwortung zur Umsetzung der Lohngleichheit nicht allein bei Unternehmen und betroffenen Frauen bleibt. Vielmehr muss eine Behörde in Stichproben und auf Antrag von Arbeitnehmenden und ihrer Vertretung kontrollieren können, ob Unternehmen ihre Löhne analysieren und Lohndiskriminierungen beheben. Ist dies nicht der Fall, muss diese Behörde auch Sanktionen verfügen können. Nur so können wir bei der Bekämpfung von Lohndiskriminierungen die nötige Verbindlichkeit erreichen.

 

Regula Bühlmann, Zentralsekretärin SGB

Zurück zur Übersicht

 


Keine Angst vor der Personalbeurteilung! - Merkblatt Garanto


Greisenkorps GWK: Ausrüstung / Corps de vieillards: équipement / Corpo di anziani: equipaggiamento

Zukunft-GWK_Cgfr-futur_Futuro-Cgcf_GWK-Rollatoren.jpg